Mein Sohn ist so sensibel.

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„Hallo, Herr Dr. Beck. Ich mache mir Sorgen.
Mein Sohn ist so sensibel. Er ist in der Schule und zuhause sehr mitfühlend.

Er nimmt vieles persönlich und weint dann. Er weint auch oft bei Filmen und bei manchen Büchern. Wenn seine Cousins toben, macht er nicht mit. Dann setzt er sich zu mir und kuschelt sich an mich. Ist das normal?

Meine Schwester meint, er habe manchmal so einen traurigen Blick.
Kann man in diesem Alter schon Depressionen haben?“

 

Im Gespräch kommt schnell heraus: Das ist ein kleiner Basis-Empathiker. Einfühlsam und sensibel. Empfindet alles tief, deshalb oft traurig – und genauso oft glücklich.
Nicht unbedingt im Zentrum des Geschehens, eher achtsamer Beobachter, auch Kümmerer. Stärkstes psychisches Bedürfnis: die Anerkennung als Person – so wie er ist, geliebt zu werden. Deshalb sucht er die Nähe der Eltern und Bezugspersonen, von denen er sich geliebt und angenommen weiß. Mit dieser Nähe erfüllt er auch sein Bedürfnis nach Wärme und Zärtlichkeit.
14% aller kleinen Jungen sind in der Basis Empathiker. Die Basis eines Menschen ist angeboren oder entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten. Mädchen haben zu 43% eine Empathiker-Basis.*

 

Solche oder ähnliche Geschichten höre ich seit 17 Jahren in meiner kinderärztlichen Praxis.

Einem Kind, das, so gut es geht, für die eigenen Bedürfnisse sorgt, werden oft Verdachtsdiagnosen zugeschrieben. Und versäumen möchte man verständlicherweise nichts. Schnell ist Unsicherheit da, wenn ein Kind sich anders verhält als Kinder im gleichen Alter. Oder ein Junge z.B. anders agiert als viele Jungen im Umkreis.

 

Schauen wir auf die Stärken unserer Kinder, SchülerInnen, Schutzbefohlenen!
Freuen wir uns, wenn sie ihre Bedürfnisse kennen.
Unterstützen wir sie dabei, ihren Bedürfnissen nachzukommen.
Lernen wir ihre Sprache. Lernen wir, sie zu erreichen – und dabei selbst bei guter Energie zu sein.

Von Dr. Martin Beck, Kinderarzt, Kommunikationstrainer und Coach nach dem Process Communication Model.

*Zahlen anhand von Untersuchungen in der US-Bevölkerung

Bild: Shutterstock

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